FRANZISKA OPEL
UNCOMFORTABLE NIGHTS
15.05. - 31.05.2026
kleine gegenwart
Hallerplatz 8
20259 Hamburg
Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Samstag 14:00 - 19:00 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Raphael Dillhof
Aus der Komfortzone
Stoff als Bedeutungsträger, Gewebe als Bildmedium, Garn als schlingender Sinnstifter: Textile Wandbehänge begleiten Kunst und Handwerk seit Jahrtausenden, vom handgeknüpften Bildteppich bis zur bemalten Wandverkleidung aus Seide, vom Gobelin bis zur Bauhausdecke. Bis in die nüchterne Moderne hielt sich die uralte Tradition: Selbst Le Corbusier wollte mit ihnen die Wände wärmen und schrieb ein Loblied über die Vorzüge seiner Wandbehänge. Die weichen, feinen Stoffe, dabei aber ihrem potenziellen Nutzwert auf Boden, Bett und Sofa zu entheben und an die Wand zu hängen: Ein kleiner Widerspruch in sich. Und vielleicht auch deshalb besonders repräsentative Form der Ausstattung.
Franziska Opel webt mit ihren Decken sechs solcher Widersprüche, im Schwebezustand zwischen flauschiger Kuscheldecke fürs Sofa und klassischem Bildmedium für die Wand. In moderner Stricktechnik automatisiert gefertigt, aber archaisch aufgespannt wie ein Fell im Holzrahmen – fast ein brutales Bild – scheinen sie sich der Geschichte des Mediums und seiner Vorläufer aus tierischem Material bewusst. Aber nicht nur formal, auch inhaltlich greifen die Decken ihren Nutzwert auf, erzeugen Kippbilder, Widersprüche im Kopf. Wo schon der Titel der Serie „Uncomfortable Nights“ ironisch auf die kalte Nacht am Sofa verweist, während die Decke an der Wand hängt, erzählen auch die Schriftzüge von groben und sanften Berührungen, von schlaflosen Momenten und lassen spielerisch in typographischen Tricks sexuelle Untertöne aufblitzen: Soft und Hard, Komfort und Cum-Fort.
Den drastischsten Widerspruch aber spricht vielleicht „Gloomy Sunday“ an: Schon im Titel des berühmten Lieds des Komponisten Rezső Seress aus dem Jahr 1933 kippt die Freude am freien Sonntag ins Bedrückende. Gerade die verdiente Entspannung, die Pause vom Alltag, öffnet schließlich auch Raum im Kopf für düstere Gedanken, für Liebeskummer, Traurigkeit. Und lockt vom süßen Nichtstun in die Depression. Alleine, wenn die Gedanken kreisen: Da hilft kein Komfort der Welt. Nicht auf der Wand und nicht auf dem Sofa.