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  • Ich war einmal (Textauszug)

    Ich war einmal ein kleines Radieschen 

    und dann zog ich aus in die Welt, denn die Blätter wurden mir gelb und ich wusste, es braucht Sonne. 

    Und so folgte ich den Strahlen, die sie für mich auf den Boden warf und ließ mir so den Weg weisen. Die Sonne leuchtete unaufhörlich und ich war beeindruckt von ihrer Unermüdlichkeit. Sag, bat ich, wenn ich müde werde, wie kannst du nur noch immer so fröhlich strahlen, liebste Sonne?


    geschrieben am: 13.10.2025

  • SIE und ER (Textauszug)

    SIE und ER sitzen zusammen am Küchentisch.
    Sie haben beide geweint, auch wenn die Gesichter wieder zum Zustand der Gefasstheit zusammengerafft wurden.

    Du weißt, dass ich dich liebe?

    Es erfolgt vom Autor keine klare Zuordnung zu einem der beiden Sprecher.

    Nein.

    Kein Mund hat sich bewegt zu diesen Worten.
    Sie sehen sich an. Die Blicke sprechen Bände, wie man so sagt.

    SIE: Ich brauche etwas anderes.
    ER: Und was?


    geschrieben am: 02.10.2023

  • Wrong Times

    Ihre Meinung ist uns wichtig.

    Ich weiß gar nichts zu sagen.
    Hab gar nichts zu sagen zu diesem Anlass.
    Ich verweigere die Aussage oder nein, nein, verweigere nicht, nein bin ganz brav, nein, will ich doch, ja. Sicher, ich rede.
    Brauche nur noch etwas zu sagen.

    Und klebe mir den Mund zu mit den Worten der anderen.
    Verätzt mir die Lippen und lasst sie zerschmelzen, sodass ich sie nicht lösen kann.

  • St. Georg um halb fünf (Textauszug)

    Gelbe Flüssigkeit auf dem Boden.

    Galle.
    Ausgespuckt von einem, der es nicht mehr ausgehalten hat. 

    Eine Großstadt in Essenz verschüttet nördlich der Binnenalster.

    Lüftet doch mal.
    Fenster auf Kipp.
    Haltewunsch.

    Die Emoji-Leiste öffnet sich.
    Kommunikation über Gesichter und Gemüse. 
    Bilder sagen mehr als tausend Worte. 
    Auch im Land der Dichter und Denker. 

    Schland. Weiss Rot Gold. Majo, Ketchup, Pommes.


    geschrieben am: 12.04.2024

  • Eigenheim (Textauszug)

    Bald werden sie zu Abend essen.
    Er hat gekocht.
    Das macht und kann er gut.
    Sie findet das gut und so kocht er für sie und das Kind und vielleicht kommen noch Freunde,
    hat er gesagt.
    Die Nachbarin hat einen Baum gepflanzt. 

    Der Baum ist schön: Das Pink, das Grün.
    Blau im Hintergrund, in den Lücken zwischen Pink und Grün. Kann man von hier aus sehen. 

    Draußen ist es jetzt dunkel.
    Man spiegelt sich im Fensterglas. 

    Na ja. Kann man am Tag beobachten. 

    Sie nimmt noch einen Bissen, der Löffel rutscht vom Tellerrand. Das Tuch ist hin. Geschrei und Gezeter. 

    Um ein Textil. 

    Es wird gestritten, als ginge es um alles, als sei es Othellos erstes Geschenk an Desdemona. 


    geschrieben am: 11.02.2025

  • 20241117

    Brauchen wir eine Angel?
    Einen Kescher vielleicht?
    Welches Werkzeug ist das Richtige, um Momente zu fangen?
    “Ein Lasso”, sagt eine andere Stimme, und verschmitzt, mit einem Lächeln, das sich in den Mundwinkel lehnt.

    Wir haben’s gesagt jetzt, endlich und ich habe den Worten dabei zugesehen, wie sie in die Ritze zwischen uns reinrutschen und sich bereit machen, dort liegen zu bleiben. 

    Wie Kleingeld das in der Sofaritze auf diesem Möbel, auf dem wir es uns bequem machen, mit jeder weiteren Sicherheit, die wir uns geben, wenn wir Worte, wie diese sagen, wenn wir uns in die Augen schauen nach dem Küssen, wie gestern, wenn wir nicht mehr fragen, sondern wissen, wenn wir uns ansehen und sagen: 

    ich weiß. 

    Ja, ich weiß es doch.

  • In Gedanken (Textauszug)

    Noch liegen die Tropfen in einem hellen Ring auf der Scheibe. Sie wölben sich über das gerade Glas und verzerren das Licht, das sie sowohl von außen als auch von innen bescheint. Die eng aneinander liegenden Tropfen saugen sich während der Fahrt zu einem zusammen und zerrinnen in langen Fäden. Der aufkommende Fahrtwind lässt nur schmale Strahlen an den seitlichen Scheiben zurück, die Frontscheibe ist tropfenlos - sie wurde gewischt. Das Bremsen des Vordermanns färbt den Innenraum rot. 

    Ich sehe in meiner Erinnerung einen Turm, ich sehe Häuserreihen. Ich stehe auf einer Brücke, ich sehe Ufer.


    geschrieben am: 19.07.2023

  • We speak soon again (Textauszug)

    SON: Dad? Do you still love Mum?
    DAD: What do you mean by “love”?
    SON: I don't know. What do you usually mean when you say “love”?
    DAD: It depends on who says “love”. It can describe a good feeling. Love can also be an action. You take care of someone and support the person you love. Or it can mean affection: you are fascinated by someone.
    SON: Are you still fascinated by Mum?
    DAD: It's impossible not to be fascinated by your mother.
    SON: And do you still take good care of her?
    DAD: That's a bit difficult. Our needs have grown apart. We need very different things at the moment. And sometimes, when that's the case, you can't really take good care of each other. Because you would sacrifice yourself to meet the needs of another person. But that's not love.


    geschrieben am: 23.09.2024

  • Es wird einmal (Textauszug)

    Mich friert und ich schließe die Tür.

    Vor dem Fenster ziehen ganze Landschaften an mir vorbei, als stünden wir still und sie sind im Galopp. Getrieben von etwas, das mich unberührt lässt, jetzt, wo diese Ruhe eingetreten ist in unser “Zuhause”. Ich bin froh, dass ich geblieben bin und ich stelle mir gern vor, dass ich bei dir sein darf und ruhig sein in dieser Wohnung. Eintauchen, mich eingraben unter 3 Metern Erinnerungen an unsere Zeit.

    Ich könnte meinen Kopf auf deinen herauflegen und hin und wieder könnte ich meinen drehen und mit meinem Mund dein Ohr umschließen und mit meiner Zunge die steifen Knorpel deines Ohres entlang fahren. Ich umspiele dein Ohrläppchen.


    geschrieben am: 15.02.2025

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